Buchtipps von Bettina Rausch

"Lesen heißt mit einem fremden Kopfe, statt des eigenen, denken." (Arthur Schopenhauer)

Warum ein Buchtipp?
Weil ich eine Leseratte bin, seit ich mich erinnern kann: ob Pixi-Buch oder eines aus der „Wer Wie Was“-Reihe, ob Christine Nöstlinger oder John Irving, ob Stefan Zweig oder Enid Blyton – schon in meiner Kindheit und Jugend war ein Buch immer dabei. In all meinen beruflichen und ehrenamtlichen Tätigkeiten bisher ging und geht es mir darum, die Welt immer mehr und besser zu verstehen und sie davon ausgehend zu verändern, ja immer wieder ein Stück zu verbessern. Das geht natürlich am besten gemeinsam. Und darum teile ich gern, was sich mir durch Bücher erschließt und was mich ausgehend von der Lektüre bewegt – und somit auch gern die Titel jener Bücher, die mich besonders angesprochen haben.

Welche Bücher stelle ich vor?
Grundsätzlich Sachbücher, aber auch schon der Begriff ist weit. Mal sehr wissenschaftlich, mal eher Ratgeber. Vielleicht auch mal einen Roman. Wichtig ist mir dabei jedenfalls nicht die Form, sondern der Inhalt, das Thema, die Aufbereitung. Ich empfehle jene Bücher,

  • die meinen Horizont erweitert, mir Neues zugänglich gemacht, neue Aspekte des Lebens und der Welt erschlossen haben,
  • die mich besonders berührt oder bewegt haben, die eine Story haben, bei der es um etwas geht, und/oder solche,
  • die mir entscheidende Impulse geliefert haben, vielleicht sogar konkrete Handlungsanleitungen, Empfehlungen, die ich in mein Tun integrieren konnte, die mich zum Handeln und zum Verändern motivieren.

Und ich freue mich, wenn Sie von diesen Büchern auch berührt, bewegt, zum Tun, ja vielleicht sogar zum Weltverbessern motiviert werden. Jedenfalls wünsche ich ein richtiges Lesevergnügen.

Herzliche Grüße,
Bettina Rausch

PS: Und wenn Sie mal was lesen, was Ihnen besonders gefällt, dann sagen Sie es auch mir weiter. Auch ich freue mich über Tipps und mein Bücherstoß am Nachtkastl wächst gern ;-)

Buchtipps von Bettina Rausch abonnieren und per E-Mail über neue Tipps informiert werden.
[zur Anmeldung]

 


Florian Aigner:
Die Schwerkraft ist kein Bauchgefühl

Christian Brandstätter Verlag, 2020, 256 Seiten

Warum ich es gerade jetzt aufgeblättert habe, ist einfach gesagt: Durch die Corona-Pandemie war die Naturwissenschaft - von Medizin über Genetik bis zu Mathematik und Statistik - so präsent wie ich es noch nie erlebt habe.

Zum Start hier eine kurze Leseprobe: „Niemand würde in der Öffentlichkeit gerne zugeben, beim Lernen von Fremdsprachen immer spektakulär gescheitert zu sein. Niemand würde Musik für nutzlos und langweilig erklären, nur weil er als Kind bei verzweifelt quietschenden Blockflötenversuchen böse Erfahrungen gemacht hat. Wenn aber jemand grinsend erzählt, er verstehe nichts von Physik, habe keine Ahnung von Mathematik und traue sich ohne Unterstützung seines Steuerberaters nicht zu, fünfstellige Zahlen zu addieren, kann er das als charmante Eigenheit durchgehen lassen.“

Von diesem Gedanken im letzten Kapitel von Florian Aigners so eingängigem Plädoyer für die (Natur-)Wissenschaft fühle ich mich richtiggehend ertappt. Als Absolventin eines humanistischen Gymnasiums, die sich tatsächlich mit Mathematik immer wieder schwer tat, und als Absolventin sozial- und geisteswissenschaftlicher Studien waren für mich die Geschichte, die Arbeit und die Errungenschaften der Naturwissenschaften lange Zeit eher unbekanntes Terrain – und eines auf das ich mich nur sehr vorsichtig bewegte.

Florian Aigner ist ein idealer „Tour Guide“ auf dieser Reise ins Unbekannte, ins Neuland. Denn er nimmt Mathematik, Physik und Co. nicht nur ihren vermeintlichen Schrecken, er macht sogar Lust, sie besser zu verstehen. Das Buch ist in dem Sinne ein ideales „Guide Book“: Es liefert Daten und Fakten zu wissenschaftlichen Disziplinen und Errungenschaften - oftmals verpackt in historischen Anekdoten. Geschichten über „schwelbe (Sic!) Raben“ oder darüber wie man „unendlich viele Gäste in einem voll belegten Hotel“ unterbringen kann, sorgen dafür, dass man sich auch gut merken kann, was der Wissenschaftler und Publizist vermitteln will. Dabei stellt der Autor auch immer wieder Bezüge zur Gegenwart her. Er zeigt auf, was wir in unserem modernen Leben dem mitunter wagemutigen Denken und Tun von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verdanken, macht gleichzeitig aber auch klar, was Wissenschaft leisten kann und wo ihre Grenzen liegen. Wertvolle Einblicke nicht nur, aber auch in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie, wo doch die Arbeitsweise und der „Output“ gerade medizinischer Forschung uns im Moment brennend interessieren. Und wo gleichzeitig Pseudowissenschaft und „Fake News“ Hochkonjunktur haben.

Eine Klarstellung im Buch halte ich gerade in Zeiten wie diesen für wesentlich: „Politik ist mehr als Umsetzen wissenschaftlicher Wahrheiten“, schreibt Florian Aigner auf Seite 237. Denn für die Abwägungen etwa zwischen Freiheit und Gerechtigkeit, Sicherheit und Bequemlichkeit gebe es kein Messgerät und letztlich auch keine mathematischen Formeln, um ideale Entscheidungen oder die beste Ideologie zu ermitteln. Vielmehr brauche es Wissenschaft UND Bauchgefühl, um gute Politik machen zu können.

Unter anderem damit macht Florian Aigner Mut und er fordert uns alle zum Mitmachen auf. „Wissenschaft ist das größte Abenteuer, das unser Universum je hervorgebracht hat“, sagt er und lädt uns ein, „ein Teil davon zu sein.“ Dafür „brauchen wir keine Messgeräte, wir müssen nur mit offenen Augen durch die Welt gehen. […] Wir müssen dafür keine Genies sein, wir müssen nur Menschen sein, miteinander reden und ein bisschen nachdenken.“ Damit schließt sich wieder einmal der Kreis auch zu meiner Aufgabe an der Politischen Akademie, wo ich immer wieder Türöffnerin sein darf für neue Menschen und neue Ideen, wo wir Raum für Austausch und Diskurs schaffen können und wo wir Menschen dabei begleiten, die Welt besser zu verstehen.

„Die Schwerkraft ist kein Bauchgefühl“ ist ein durch und durch positives Buch – getragen von der authentischen Begeisterung des Autors für seine Profession und von seinem Zutrauen und der Zuversicht, mit der er auf uns Menschen, „unsere“ Wissenschaft und damit unsere Zukunft schaut.

Wer also wissen will,
- warum Perfektion in der Wissenschaft manchmal ziemlich nutzlos ist,
- wie man Planeten entdecken und verschwinden lassen kann (ganz ohne Zauberei),
- warum wir auf Omas Hustentee nicht vertrauen sollten, und
- warum wir uns trotz allem auf die Wissenschaft jetzt und in Zukunft verlassen können,
die oder der liest am besten dieses Buch.

[Zum Buch]



Franz Lackner / Clemens Sedmak:
Kaum zu glauben

Tyrolia Verlag, 2018, 176 Seiten
Authentisch, ansprechend, aktuell ist das erste Buch von Erzbischof Franz Lackner (inzwischen Vorsitzender der Bischofskonferenz), der im Dialog mit Clemens Sedmak darlegt, wie Glaube im Leben geht. Authentisch, weil die persönlichen Zugänge der Autoren mögliche Antworten auf grundsätzliche Fragen des Lebens so greifbar und brauchbar machen. Ansprechend, weil durch Anbindung an Erlebtes Geist, Seele und Körper tatsächlich angesprochen werden. Aktuell, weil gerade in einer evidenzbasierten und pragmatisch organisierten Welt Glaube Orientierung bieten kann. In Dialogform geschrieben ist das Werk kurzweilig und lädt zum (gedanklichen) Mitreden ein. Und nährt angesichts der Lebensgeschichte von Franz Lackner, dass wir die momentane Krise auch überstehen, ja gestärkt aus ihr heraus gehen können.
[Zum Buch]



Georg Wögerbauer:
Flugversuche

Orac Verlag, 2020, 184 Seiten
Krisen haben es in sich. Und sie haben es so an sich, dass sie die besten und auch die schlechtesten Eigenschaften von uns Menschen stärker zu Tage treten lassen. Die eigenen „Vögel“, die Georg Wögerbauer liebevoll beschreibt, können einem da besonders zu schaffen machen. Über die „Vögel“ der anderen regt man sich jetzt vielleicht besonders auf. Das Buch dient der (Selbst-)Erkenntnis, und hilft dabei, sich selbst aus (vermeintlichen) Zwängen zu befreien. Und es vermittelt Einsichten, die einen weniger streng mit anderen ins Gericht gehen lassen, uns großzügiger werden lassen. Insofern ist es auch ein Buch für uns alle, die wir dazu beitragen wollen, gut durch diese Krise zukommen und in der „neuen Normalität“ mit uns selber und miteinander gut auszukommen. Georg Wögerbauer, Arzt und Psychotherapeut, schöpft aus dem reichen Erfahrungsschatz seiner Arbeit und seines Lebens, spart nicht mit Einblicken in sein eigenes Innerstes, stellt immer wieder einen Bezug zum Leser bzw. zur Leserin her. Man ist aufgefordert sich zu reflektieren, zu hinterfragen, auch über sich zu lachen, sich zu entwickeln. Durch die Gliederung in einzelne überschaubare Kapitel und der Abwechslung aus bildhaften Prosatexten und Gedichten ist das Buch angenehm zu lesen – sogar nach einem langen Tag mit Arbeit und Familie.
[Zum Buch]



Hans Rosling (mit Anna Rosling Rönnlund und Ola Rosling):
Factfulness

Ullstein Verlag, 2019, 400 Seiten
„Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist“, heißt es im Klappentext von „Factfulness“. Will uns der Statistiker Hans Rosling also seine Meinung aufdrücken, schnelle Lösungen für komplexe Themen liefern? Im Gegenteil: Im Buch es geht ihm nicht darum, uns Antworten vorzugeben. Da sind wir schon noch selber aufgefordert, uns die zu erarbeiten. Vielmehr will das Buch dabei helfen, dass wir die Ausgangspunkte von Debatten „außer Streit“ stellen, dass wir einfacher einen Common Ground für politische und gesellschaftliche Auseinandersetzungen finden und dabei jedenfalls den Mut nicht verlieren – sondern vielmehr positiv-pragmatisch bleiben. Die Corona-Pandemie hat uns eindrücklich gezeigt, dass unser Umgang als Menschen und Gesellschaft mit Fakten, wissenschaftlichen Erkenntnissen und Evidenz noch Entwicklungspotential hat. Das Buch ist für jeden und jede geeignet, der oder die tatsächlich (ein Stück mehr) unvoreingenommen auf die Welt schauen will. Und der oder die ausgehend von solidem Faktenwissen die Welt, seine/ihre Welt, gestalten will.
[Zum Buch]

© Politische Akademie der Volkspartei 2021