Themen-Image„Neben dem Geld braucht es vor allem Emotionen!“

„Neben dem Geld braucht es vor allem Emotionen!“

Beim Corona-Gespräch zur Lage auf dem Westbalkan sprachen der Abgeordnete zum Europäischen Parlament Lukas Mandl und der österreichische Botschafter in Serbien Nikolaus Lutterotti über die Coronasituation, Beziehungen zwischen dem Westbalkan und der EU und ein Gespräch auf Augenhöhe zwischen den unterschiedlichen Lagern.

Die Staaten des Westbalkans haben die Coronakrise bisher sehr gut bewältigt. Die Infektionszahlen blieben verhältnismäßig gering, die Todesrate liegt äußerst niedrig und das Gesundheitssystem wurde nicht überlastet. Vor allem Serbien, das sehr rasch und strikt reagiert hat, befindet sich bereits am Weg der Lockerungen der Maßnahmen. Die EU ist während der Pandemie der größte Geldgeber am Westbalkan. Dennoch wurden in Serbien zu Beginn der Krise, unter anderem auch von der politischen Elite, äußerst kritische Stimmen laut, die sich im Stich gelassen fühlten.

Für Lukas Mandl ist das ein Warnzeichen. Der Westbalkan sei ein Teil Europas, ein EU-Beitritt beinahe alternativlos. Jeder einzelne Staat müsse in das Pandemiemanagement der EU einbezogen werden aber neben dem Fluss des Geldes brauche es noch etwas viel Wichtigeres: Emotionen. In den ehemaligen Staaten Jugoslawiens bestehe eine europäische Identität in der Bevölkerung. Diese zu forcieren sei der wichtigste Auftrag für die EU, die Interaktion mit dem Westbalkan soll auf Augenhöhe gestaltet werden.

Die Region stellt für Mandl die „Achillesverse der EU“ dar. Achillesverse deshalb, weil am Westbalkan sehr viele Staaten und Großmächte versuchen, Einfluss auszuüben. Lutterotti bestätigt, dass die Hilfe, auch aus Österreich, sehr gut angenommen werde, dennoch gebe es mit Russland, China, den USA und der Türkei viele weitere Staaten, die ihre Hände nach dem Westbalkan ausstrecken würden.

Zum Abschluss des Gespräches fokussieren sich die beiden Experten auf die wirtschaftlichen Konsequenzen und die Zukunft des Westbalkans. Der wirtschaftliche Schaden könne noch härter ausfallen, als in der EU, da man – mit Ausnahme von Serbien – sehr vom Tourismus abhängig ist. Lutterotti und Mandl sind sich einig, dass eine enge Zusammenarbeit mit der EU aber auch Gespräche untereinander äußerst notwendig sind, um gut aus der Krise zu kommen. Generell solle die aktuelle Lage zur Kooperation und nicht zum Wettbewerb anregen. Auch beim EU-Beitritt solle niemand zurückgelassen werden, egal in welcher Reihenfolge er ablaufen wird.

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