Themen-ImageEinblicke in den Westbalkan: „Den Westbalkan nicht als Hinterhof Europas sehen, sondern als Innenhof“

Einblicke in den Westbalkan: „Den Westbalkan nicht als Hinterhof Europas sehen, sondern als Innenhof“

Am 28. Februar 1991 wurde in Knin in der jugoslawischen Republik Kroatien die „Serbische Autonome Provinz Krajina“ ausgerufen und der brodelnde nationalistische Konflikt in Jugoslawien eskalierte. Bereits wenige Wochen später gab es die ersten Toten des Jugoslawienkrieges bei den Plitvicer Seen. In den darauffolgenden Jahren des Krieges war Österreichs Außenminister, Alois Mock, einer der größten Unterstützer der Staaten des Westbalkans auf ihrem Weg zur Souveränität. 30 Jahre später haben wir in Erinnerung an ihn und die bewegte Vergangenheit der Region bei dieser Veranstaltung einen umfassenden Blick auf den Westbalkan heute geworfen.

Gemeinsam mit dem Multilateralen Dialog der deutschen Konrad-Adenauer-Stiftung lud die Politische Akademie am 1. März ein, tiefere Einblicke in die Länder des Westbalkans zu gewinnen. Einblicke in Länder, die Österreich geographisch so nahe sind und über die viele doch so wenig wissen.

Nach einem Impulsvortag zu Herausforderungen in der Region von Hedvig Morvai, Direktorin für Europa und Strategie der Erste-Stiftung, stellten Expertinnen und Experten, die politische und gesellschaftliche Situation in jeweils einem der sechs Staaten vor. In diesen Hintergrundgesprächen war Platz für Fragen und persönliche Einblicke, die weit über die tagesaktuellen Kurzberichte in den Medien hinausgingen. In einer abschließenden Keynote hielt LH a.D. Prof. Dr. phil. Franz Schausberger, Präsident des Instituts der Regionen Europas, ein Plädoyer für den Westbalkan als Teil Europas und eine konstruktive EU-Erweiterungspolitik.

Hedvig Morvai strich in ihren Ausführungen die bilateralen Spannungen zwischen den Staaten als eine der größten Herausforderungen der Region heraus. Sie wies allerdings auch auf erfreuliche Entwicklungen hin, wie etwa die Weitergabe von Corona-Impfstoff durch Serbien an Nordmadzedonien. Auch unzureichende Rechtsstaatlichkeit, autoritäre Tendenzen und die massive Abwanderung aus den Staaten des Westbalkans sprach sie an. Den gesamten Impulsvortrag von Hedvig Morvai auf Englisch können Sie hier nachsehen:

LH a.D. Prof. Dr. phil. Franz Schausberger hielt in seinem Schlußwort fest, dass es nicht das Europäische Parlament oder die Kommission sind, die die EU-Erweiterung blockieren, sondern einzelne Mitgliedsstaaten. Gleichzeitig zeigte er aber auch die Probleme auf, die die Staaten selbst noch zu lösen hätten und betonte, dass die EU und andere internationale Organisation in der Region nicht als Schulmeister, sondern als Partner auftreten sollten. Schausberger wünschte sich außerdem, dass der Westbalkan nicht als Hinterhof Europas, sondern als Innenhof gesehen werden sollte. Die komplette Abschlussrede von LH a.D. Franz Schausberger finden Sie hier:

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