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Alois Mock: Ein großer Politiker und Europäer

Alois Mock war über Partei- und Landesgrenzen hinweg als engagierter, leidenschaftlicher Politiker bekannt. Mit seinem Handeln prägte er nicht nur die Volkspartei und Österreich, sondern auch Österreichs Nachbarstaaten und Europa.

Alois Mocks Leben

Alois Mock wurde am 10. Juni 1934 in Euratsfeld in Niederösterreich geboren. Er besuchte das Stiftsgymnasium in Seitenstetten, wo er 1952 maturierte.
Der Eintrag über ihn in der Maturazeitung seines Jahrgangs erwies sich als sehr treffend:

"Der Leiß ist Senior im Konvikt
In Politik gewandt.
Er träumt davon, dass es ihm glückt
Zu retten unser Land.“

Nach der Matura begann er das Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien, das er 1957 mit der Promotion zum Doktor abschloss. Während des Studiums begann auch sein Engagement im ÖCV. Mit einem Stipendium des Unterrichtsministeriums ging Mock anschließend von 1957 bis 1958 für einen Studienaufenthalt an das Bologna Center der Johns Hopkins University. Als er im Unterrichtsministerium von den Eindrücken dieses Aufenthalts berichtete, bot ihm der Minister eine Stelle als Referent für hochschulpolitische Fragen im Unterrichtsministerium an, die Mock annahm. Von 1960 bis 1961 verschlug es Mock für einen Studienaufenthalt an die Université Libre de Bruxelles nach Brüssel, wo er die Gremien und Institutionen der Europäischen Gemeinschaft (EG) kennenlernte und viele Kontakte knüpfte.

Ab 1961 wurde Mock dem Bundeskanzleramt als Referent für Fragen zur Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Europäische Freihandelsassoziation (EFTA) zugeteilt. Ab 1962 bis 1966 war er in der österreichischen OECD-Vertretung in Paris. 1966 übernahm er die Stelle des Sekretärs und Kabinettschefs des Bundeskanzlers Josef Klaus in der ÖVP-Alleinregierung. Anschließen wurde er von 1969 bis 1970 mit nur 35 Jahren jüngster Unterrichtsminister in der Regierung Klaus.

Nachdem ab 1970 eine SPÖ-Alleinregierung an die Macht kam, wurde Mock Nationalratsabgeordneter und Bürgermeister in seiner Heimatgemeinde Euratsfeld. Zusätzlich wurde er 1971 zum Bundesobmann des ÖAAB gewählt und hatte diese Funktion bis 1979 inne. Ab 1978 übernahm er - zuerst geschäftsführend und ab 1979 auch offiziell - die Funktion des Klubobmanns im Nationalrat. Mit 97,5% der Stimmen wurde er schließlich am 7. Juli 1979 auch zum Bundesparteiobmann der Volkspartei gewählt, was er bis 1989 blieb. Zusätzlich wurde Mock 1979 Präsident der Europäischen Demokratischen Union (EDU), an deren Gründung er maßgeblichen beteiligt war, und blieb dies bis 1998. 1983 wurde er außerdem Präsident der Internationalen Demokratischen Union (IDU) und hatte dieses Amt bis 1987 inne.

Im Jänner 1987 wurde Mock als Vizekanzler und Außenminister angelobt. Mit seinem Rücktritt als Parteiobmann, gab er 1989 auch das Amt des Vizekanzlers ab, blieb aber noch bis 1995 Außenminister. Anschließend wurde er erneut Nationalratsabgeordneter und blieb dies bis 1999. Ab 1995 wurde Mock außerdem Ehrenparteiobmann der Volkspartei.

Alois Mock starb am 1. Juni 2017 nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 82 Jahren. Die Ansprache Sebastian Kurz zu seinem Gedenken im Wiener Stephansdom können Sie hier nachsehen:

Weiter Informationen zu Alois Mocks Lebenslauf finden Sie hier:

 


 

Alois Mock: Ein großer Europäer

"Im Eintreten für ein einiges, friedliches (...) und demokratisches Europa wird uns niemand übertreffen" - Alois Mock am 10.Februar 2000

Europa und die Bedeutung Österreichs in diesem war für Alois Mock zeitlebens ein besonderes Anliegen. Er bemühte sich intensiv um eine österreichische Mitgliedschaft in der Europäischen Union und gilt deshalb als „Vater des EU-Beitritts Österreichs“. Er begleitete als Außenminister den kompletten Weg Österreichs in die Europäische Union. So konnte er nach intensiver Überzeugungsarbeit am 17. Juli 1989 in Brüssel dem Ratsvorsitzenden Roland Dumas den EG-Beitrittsantrag Österreichs überreichen und am 1. März 1994 die Beitrittsverhandlungen abschließen. Seiner Begeisterung über das Geschaffte, verlieh Mock mit dem "Europa-Busserl" Ausdruck, das er der mit ihm gemeinsam in Brüssel zum Abschluss der Verhandlungen angereisten Staatssekretärin Brigitte Ederer, auf die Wange gab. Bei der folgenden Volksabstimmung stimmten 66,6 % der Österreicherinnen und Österreicher für den Beitritt zur damaligen EG.

Weiteres Infos zur Europapolitik Alois Mocks finden Sie hier:

 


 

Alois Mocks außenpolitisches Wirken

Unvergessen sind neben dem EU-Beitritt auch die unzähligen weiteren außenpolitischen Verdienste Alois Mocks. Einer dieser historischen Momente war das Treffen am 27. Juni 1989 bei dem Alois Mock mit seinem ungarischen Amtskollegen Gyula Horn den Eisernen Vorhang durchschnitten. Das Foto dieser Begebenheit ging um die Welt und wurde zum Symbol des Falles des Eisernen Vorhanges. Die Aktion gilt als erste „offizielle“ Öffnung des Eisernen Vorhangs.

Als am 25. Juni 1991 Kroatien und Slowenien ihre Unabhängigkeit erklärten, war es Alois Mock, der international für die Anerkennung der neuen Staaten warb und mit außenpolitischem Weitblick, den unausweichlichen Zerfall Jugoslawiens vorhersah. Trotz Widerstandes der SPÖ im eigenen Land und internationalen Vorbehalten, konnte er den Weg für eine Anerkennung durch die EG und Österreich ebnen. Direkt nach in Kraft treten der Anerkennung, reiste Mock nach Slowenien und Kroatien und wurde von der jubelnden Bevölkerung empfangen. Auch im Bosnienkrieg warb Mock intensiv um internationale Aufmerksamkeit für das Leid der Menschen vor Ort und um internationale Maßnahmen, um dieses zu lindern.

Ein besonderer Erfolg für Mock war der Abschluss der Verhandlungen des Südtirol-Pakets und die Streitbeilegung vor der UNO. In dem Paket wurden Autonomierechte für Südtirol verhandelt, die der Region eine weitreichende Selbstverwaltung des öffentlichen Lebens ermöglichen. Bei der Weltkonferenz über Menschenrechte der UNO in Wien, die Mock leitete, gelang es, die Grundprinzipien der Universalität und Unteilbarkeit der Menschenrechte trotz Differenzen zu bekräftigen.

Weitere Informationen zu diesen historischen Ereignissen finden Sie hier:

 


 

Alois Mock und die Politische Akademie

Die Politische Akademie beschäftigt sich intensiv mit Alois Mocks innen- und außenpolitischen Verdiensten und widmete ihm 2019 die Aula im Springer Schlössl. Im Rahmen des Festaktes blickten zahlreiche Weggefährten auf Alois Mocks Leben zurück.

Als einen der "die Menschen einfach gemocht hat und selbst ein durch und durch integrer Mensch war", beschrieb ihn damals Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka. Mock stehe für "das Ende der Nachkriegsordnung und die Neuordnung Europas," hielt er mit Verweis auf den Fall des Eisernen Vorhangs fest. Alois Mock habe Österreich nämlich nicht nur europapolitisch geprägt, führte der Historiker Helmut Wohnout aus, und nannte die erfolgreiche Initiativen im Sozial-, Arbeits-, und Bildungsbereich Mocks als Beispiele.

Hier können Sie sich einen Eindruck von der Veranstaltung machen:

Den Nachbericht der Veranstaltung sowie eine Fotogalerie finden Sie hier:

 

Fotocredit Titelbild: Robert Jaeger / APA / picturedesk.com

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