Themen-Image[CAMPUS.ONLINE] 75 Jahre Verantwortung für Österreich

[CAMPUS.ONLINE] 75 Jahre Verantwortung für Österreich


Am 17. April vor 75 Jahren wurde die Volkspartei von Leopold Figl, Julius Raab und einigen anderen gegründet. Erst fünf Tage davor hat die Rote Armee Wien von der NS-Herrschaft befreit, außerhalb von Wien waren immer noch Kämpfe im Gange. Nur elf Tage vor der Parteigründung wurde der spätere Bundeskanzler Leopold Figl aus der Todeszelle im Wiener Landesgericht entlassen.

Über diese für uns so unvorstellbare Zeit und darüber, wie auf den Trümmern des Zweiten Weltkriegs die Volkspartei und die Republik gegründet wurden und sich im Laufe der Jahrzehnte entwickelt haben, spricht Politische-Akademie-Präsidentin Bettina Rausch mit den beiden Historikern Helmut Wohnout (Generaldirektor des Österreichischen Staatsarchivs) und Franz Schausberger (ehemaliger Landeshauptmann von Salzburg).

Von der Gründung der Volkspartei über den langen Weg zur echten Freiheit mit dem Staatsvertrag 1955 über die konsequente West- und Europaorientierung der Volkspartei bis hin zur aktuellen Corona-Krise spannt sich der Bogen des Gesprächs.

Während das erste Jahrzehnt von Aufbruch und dem gemeinsamen Ziel des Staatsvertrages - den Leopold Figl in Moskau erfolgreich ausgehandelt hat - geprägt war, war der Beginn der 60er-Jahre von Reformstau in der großen Koalition geprägt. 1966 hat Josef Klaus mit der Volkspartei die Nationalratswahl gewonnen und ging dann sowohl als Reformkanzler als auch als der Kanzler, der als erstes eine Frau in ein Ministeramt geholt hat, in die Geschichte ein.

Er hat Grete Rehor mit der Leitung des Bundesministeriums für soziale Verwaltung betraut. Es war also die Volkspartei, die zum ersten Mal in der Geschichte eine Frau in der Regierung gestellt hat - und heute hat Sebastian Kurz eine Regierungsmannschaft, die zu mehr als der Hälfte aus Frauen besteht. Grete Rehor hatte eine bewegte Geschichte als Kriegswaise und Kriegswitwe hinter sich, in die politische Geschichte ging sie ein mit der Schaffung des ersten Arbeitsmarktförderungsgesetzes, das immer noch als Grundlage für das heutige Arbeitsmarktservice gilt.

Ein Schwerpunkt des Gesprächs sind auch die Person und geschichtliche Rolle von Alois Mock. Innenpolitisch galt er als Sozialreformer, als Außenminister hat er dann nicht nur die Geschichte Österreichs, sondern ganz Europas entscheidend geprägt. Das berühmte Foto, das ihn mit seinem ungarischen Amtskollegen Gyula Horn beim Durschneiden des Eisernen Vorhangs zeigt, ging nicht nur um die Welt und die Geschichte ein, sondern war allem für die Bürgerinnen und Bürger der osteuropäischen Staaten das Signal, dass die Öffnung und damit die Überwindung des Kommunismus jetzt wirklich passiert.

In Österreich weniger anerkannt - in den betroffenen Ländern umso mehr - ist Mocks Engagement am Balkan, sein Einsatz für die Nachfolgestaaten Jugoslawiens. Er war der erste europäische Spitzenpolitiker, der sich 1991 für die Anerkennung der Unabhängigkeit von Kroatien und Slowenien eingesetzt hat. Und schließlich hat er Österreich erfolgreich in die EU geführt, legendär sein spontanes Busserl für Staatssekretärin Brigitte Ederer bei der Pressekonferenz zum Abschluss der Beitrittsverhandlungen.

Das neue Jahrtausend hat damit gestartet, dass die Volkspartei mit Wolfgang Schüssel nach langer Zeit wieder den Bundeskanzler stellt. Mit dem Motto "Mehr privat, weniger Staat" und auch mit den Restitutionen für die NS-Opfer hat er auch er Geschichte geschrieben.

Was man aus Sicht der beiden Historiker schon jetzt über den Beitrag von Sebastian Kurz zur Geschichte der Volkspartei und der Republik sagen könne, ist die umfassende Neuaufstellung der Volkspartei - der neuen Volkspartei - und seine Rolle als Krisenmanager in der größten Krise seit 1945.

© Politische Akademie der Volkspartei 2020