Themen-ImageBildungsreise nach Sarajevo – die Zukunft des Westbalkans aktiv mitgestalten

Bildungsreise nach Sarajevo – die Zukunft des Westbalkans aktiv mitgestalten

Eine Bildungsreise des Alois Mock Instituts nach Sarajevo (Republik Bosnien-Herzegowina) haben Vertreterinnen und Vertreter der Politischen Akademie genutzt, um vor Ort Einrücke zu sammeln und so ein tieferes Verständnis für die krisengeplagte Region zu entwickeln.

Wir geben hier einen ersten Einblick in die gefundenen Erkenntnisse: Die Grenzen von Bosnien Herzegowina sind seit 500 Jahren gleich, jedoch war die Region vor 1992 nie unabhängig. Bei Hintergrundgesprächen mit Sven Petke, Leiter des Auslandsbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung, bekam die Delegation einen ersten Einblick in aktuelle Problemlagen, zu denen vor allem überbordende Kosten für die Bürokratie zählen. 80 Prozent der Ausgaben des Staatshaushaltes entfallen auf Personalkosten. Ismar Poric, Leiter der NGO „Haus der guten Töne“,  Mirela Ajanovic (Projekt- und Grantmanager), Aldin Alic (Public Relations), Nedzad Kamenica (Grant Monitor) des Institutes für Jugendentwicklung KULT und Berina Buvka, Leiterin des  Regional Youth Cooperation Office, skizzierten aktuelle Projekte für Jugendliche in den von  Abwanderung und Arbeitslosigkeiten betroffenen ländlichen Regionen in Bosnien Herzegowina. Johann Sattler, EU-Sonderbeauftragter und Leiter der EU-Delegation, wies auf die Wichtigkeit potenzieller EU-Aufnahmegespräche für die Region hin. Die Entscheidung Emanuel Macrons nicht für Aufnahmegespräche der Nachbarstaaten Nordmazedonien und Albanien zu stimmen, habe gegenwärtig zu einer schlechten Stimmung am ganzen Westbalkan geführt. Jakob Finci, Präsident der jüdischen Gemeinde, zeigte uns anhand des Fallbeispiels Sarajevo, wie und unter welchen Umständen ein friedliches Zusammenleben  der Religionen verwirklicht werden kann. Ulrike Hartmann, Botschafterin der Republik Österreich, warb vor allem um ein verstärktes Engagement Österreichs am Balkan. Nicht nur aus historischer Verbundenheit, sondern auch wegen nachlassendem Interesse der EU sei Österreich dazu prädestiniert, in die Zukunft Bosnien Herzegowinas zu investieren. Im abschließenden Gespräch mit Generalmajor und Kommandant der EUFOR-Truppen in Bosnien und Herzegowina, Rainhard Trischak, wies dieser auf offene sicherheitspolitische Probleme 25 Jahre nach Kriegsende hin. Nach wie vor müssen Tausende Minen entschärft werden, die in den Wäldern verteilt noch im ganzen Land nicht entschärft herumliegen und jedes Jahr Zivilisten bei Unfällen töten und schwer verletzen. Trischak bezeichnete die gegenwärtige Lage jedoch als stabil und zeichnete ein optimistisches Bild für die nahe Zukunft.

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