Petra Ramsauer: Angst

Kremayr & Scheriau, 128 Seiten

„ANGST“ von Petra Ramsauer steht schon einige Zeit in meinem Bücherregal. Es war ein Geschenk der Waldviertel Akademie, wo die Autorin 2021 im Rahmen einer höchst interessanten Veranstaltung zu Gast war. Und auch wenn seitdem eine Menge Bücher, auch jüngere Neuerscheinungen, den Weg zu mir gefunden haben, erschien mir in Vorbereitung dieses Buchtipps das Thema von Ramsauers Essay einfach hochaktuell.

„Es ist bitter, wenn das schöne Wort Zukunft vom Frohwort zum Drohwort wird“, zitiert Petra Ramsauer aus einem Text von Herbert Prantl in der Süddeutschen Zeitung. Und das ist es was wir doch alle im Moment erleben – ganz konkrete tägliche Herausforderungen, ja Sorgen, ständig präsent etwa das Thema der steigenden Preise. Viel größer aber scheint eine diffuse Angst vor dem was noch kommt. Wie kalt wird der Winter? Wie nahe rückt der Krieg? Wie oft mutiert noch das Virus?

Alltagssorgen und Zukunftsangst

Petra Ramsauers Essay ist 2020 unter dem Eindruck von erster und zweiter „Corona-Welle“ erschienen. In ihrer breiten Recherche stellt sie durchaus fest, dass uns das konkrete Erleben von Gefahr und das Meistern von Krisen stärken kann, dass es uns aber offenbar nicht davor schützt, wieder einer gleichsam individuellen wie kollektiven Zukunftsangst zu verfallen.

Zutiefst persönlich und tief in der Gesellschaft

Angst wird natürlich auf einer zutiefst persönlichen Ebene erlebt, ist gleichzeitig aber ein gesellschaftliches Phänomen, in Ramsauers Worten „ein stressiger Schrittmacher unserer Zeit“ geworden. Beeindruckend klar arbeitet die Autorin auch die Unterschiede zwischen unserer relativ sicheren westlichen Welt und der Situation in Kriegs- und Krisengebieten etwa im Nahen Osten heraus. Was sie in diesem Zusammenhang schildert, stimmt nachdenklich. Ihre sehr konkret erzählten Erlebnisse als Kriegsreporterin fesseln, ihre persönliche Geschichte konfrontiert einen als Leser bzw. Leserin ohne Umschweife mit eigenen Lebensfragen.

Mit der Angst leben

Petra Ramsauer plädiert jedenfalls durchgängig dafür, Angst nicht auszuklammern aus dem Leben, sondern sie vielmehr als Impuls für Veränderungen begreifen zu lernen. Ihr Buch liefert dafür entsprechende Anregungen, es rüttelt auf und rührt an, ist zugleich dicht, aber nicht schwer und im besten Sinne fundiert, dank einer spürbar gründlichen und vielfältigen Recherche.
Nach der Lektüre bin ich jedenfalls überzeugt: Es kann sich wirklich lohnen, sich damit auseinanderzusetzen, wie die eigene Angst vorm Tod oder eher die vor dem – wie Petra Ramsauer es nennt – „nicht gelebten Leben“ das eigene Entscheiden, das eigene Tun UND Lassen beeinflusst. Das ist für uns alle im Privaten wichtig, wenn wir Politik gestalten, vermutlich umso mehr.

Apropos Gestalten: Matthias Strolz und Bernhard Markhgott haben bei story.one ein Büchlein mit Erinnerungen an den heuer verstorbenen Erhard Busek herausgegeben. Es trägt den Titel „Denken. Aufrütteln. Gestalten“. Liest man die vielfältigen Erlebnisse ganz unterschiedlicher Menschen mit dem großen Österreicher und Europäer gewinnt man jedenfalls den Eindruck, dass er es im besten Sinne Ramsauers verstanden hat, mit Angst zu leben, Angst zu nehmen und jedenfalls immer Zuversicht, Mut und Entschlossenheit als Alternativen anzubieten hatte.

Buchtipps von Bettina Rausch

Buchtipps von Bettina Rausch

Bettina Rausch (* 25. Dezember 1979 in Scheibbs) ist eine österreichische Politikerin (ÖVP). Rausch war von 2008 bis 2013 Mitglied des Bundesrates für Niederösterreich und von 2013 bis 2018 Abgeordnete zum Landtag von Niederösterreich. Seit 2018 ist sie Präsidentin der Politischen Akademie der Volkspartei. seit dem 22. Dezember 2021 ist sie Abgeordnete zum Nationalrat.

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